Lassen sich Erdgas-Brennwertgeräte in Alt- und Bestandsbauten nachträglich installieren? Tipps vom Heizungsexperten Jürgen Engelhardt (SHK-Fachverband).

Ich will ein Erdgas-Brennwertgerät im Altbaueinbauen lassen. Ist das sinnvoll?

Optimal eignen sich Brennwertkessel für gut gedämmte Neubauten. Denn die Wohnräume werden auch mit niedrig aufgeheiztem Heizungswasser ausreichend warm. Heizungsspezialisten setzen im Neubau daher oft auf Fußboden- oder großflächige Wandheizungen: Sie geben auch bei niedrigen Vorlauftemperaturen genug Wärme ab. In Altbauten mit vergleichsweise kleinen Heizkörpern muss dagegen mit mittleren bis hohen Vorlauftemperaturen geheizt werden, um die Räume warm zu bekommen. Das kann dazu führen, dass der Brennwertnutzen nicht immer gewährleistet ist. Trotzdem ist die Installation eines neuen Gas-Brennwertgerätes fast immer sinnvoll, da es Heizenergie spart.

In Brennwertanlagen fällt relativ viel Kondenswasser an. Was bedeutet das für mich?

Das Wasser entsteht aus den Verbrennungsabgasen. Sie sind bei Brennwertgeräten wesentlich kühler als bei herkömmlichen Heizkesseln oder -thermen. Das ist gewollt, denn Brennwertgeräte nutzen einen Großteil der in den Abgasen enthaltenen Wärmeenergie für Heizung oder Warmwasser – genau das ist der energiesparende Brennwerteffekt. Die kühleren Gase kondensieren in den Abgaswegen und würden im Laufe der Zeit gemauerte Schornsteine beschädigen. Deshalb wird in den vorhandenen Kamin ein korrosionsbeständiges Kunststoff- oder Edelstahlrohr eingezogen. Das entstandene Kondenswasser kann in den meisten Fällen ins Abwasser geleitet werden. Manchmal muss man es vorher neutralisieren.

Lassen sich die bestehenden Heizkörper weiterverwenden?

Wichtig ist, dass die Heizkörper die für den entsprechenden Raum erforderliche Heizleistung liefern können. Dann lässt sich die Heizung optimal einstellen. Nach dem Einbau einer neuen Heizung beschweren sich die Hausbesitzer oft über Heizkörper, die „zu kalt“ sind oder von oben nach unten kälter werden. Das ist aber technisch völlig in Ordnung. Wichtig ist nicht die Temperatur der Heizkörper – sie hängt von der eingestellten Vorlauftemperatur ab –, sondern die Raumlufttemperatur.

Wie wird die Heizungsanlage auf ein Brennwertgerät abgestimmt?

Um eine Brennwertanlage in älteren Gebäuden möglichst energiesparend zu betreiben, empfehle ich einen hydraulischen Abgleich. Durch den Abgleich können die Nutzer bis zu 15 Prozent Heizenergie sparen und so die Umwelt schonen. Eventuell muss der Heizungsfachmann auch alte Heizungsventile austauschen. Die dafür entstehenden Ausgaben amortisieren sich normalerweise im Laufe mehrerer Jahre über die eingesparten Heizkosten. Zudem gibt es dafür häufig Fördermittel lokaler Klimaschutzagenturen oder des Bundes.

Mein Budget für die Heizungserneuerung und andere Energiesparmaßnahmen ist beschränkt. Wie gehe ich vor?

Bei den sogenannten geringinvestiven Maßnahmen sollten die Kunden mit einem hydraulischen Abgleich anfangen. Wenn es technisch möglich ist, lohnt es sich, in älteren Heizungsanlagen elektronisch gesteuerte Heizungspumpen einbauen zu lassen. Diese machen sich durch den eingesparten Strom in kurzer Zeit bezahlt. Aber selbst eine neue Brennwertanlage ist im Normalfall kostengünstiger als eine großflächige Dämmung der Wände oder neue Fenster. Dabei bietet es sich an, verschiedene Energiesparmaßnahmen sinnvoll aufeinander abzustimmen. Für die beste individuelle Lösung sollten sich die Kunden ausführlich beraten lassen. Zum Beispiel durch einen Energieberater oder einen qualifizierten SHK-Handwerker.

Hydraulischer Abgleich

Heizungsbauer nehmen zuerst die Daten des Gebäudes auf, wie etwa die Grundfläche und die Deckenhöhe, berechnen damit die erforderliche Heizleistung und justieren anschließend die Heizkörper. Mit dem hydraulischen Abgleich lassen sich bis zu 15 Prozent der Heizkosten sparen. Mehr unter: mehr.fyi/abgleich

Hocheffizienzpumpen

Ungeregelte Heizungspumpen laufen immer mit derselben Leistung. Sie verbrauchen damit durchgängig Strom, unabhängig vom Wärmebedarf. Elektronisch gesteuerte Hocheffizienzpumpen drosseln oder erhöhen ihre Leistung dem Wärmebedarf entsprechend. Damit spart die geregelte Heizungspumpe viel elektrische Energie. Aber Vorsicht! Ist die Pumpe im Heizgerät eingebaut, muss diese im Regelfall vom Hersteller freigegeben sein. Ob Pumpe und vorhandene Heizungsanlage miteinander kombiniert werden können, weiß der Heizungsbauer.Mehr unter: mehr.fyi/umwaelzpumpe

Zum Autor: Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Engelhardt ist Geschäftsführer und Referent Technik des Fachverbandes SHK (Sanitär, Heizung, Klima) Niedersachsen.

Infos zu Erdgas und zum Erdgas-Hausanschluss gibt es bei den SWI unter (08 41) 80-4140 oder bianca.winter@sw-i.de. Internet: www.sw-i.de/erdgas-hausanschluss

Der Artikel ist ursprünglich erschienen unter: www.energie-tipp.de/sparen/heizen/mit-erdgas-effizient-im-altbau-heizen/


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