Während die Umstellung bereits seit Jahren läuft, soll sie in den nächsten Jahren noch einmal deutlich beschleunigt werden. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit nachhaltig zu stärken und das Stromnetz auf die Anforderungen der Energiewende vorzubereiten.
Warum die Erdverkabelung so wichtig ist
Mehr Sicherheit, weniger Störungen
Erdkabel sind weitgehend geschützt vor Einflüssen wie Sturm, Schnee, Eis oder extremer Hitze. Das reduziert das Risiko von Stromausfällen und sorgt dafür, dass das Netz auch bei steigender Belastung zuverlässig bleibt.
Fit für die Zukunft
Photovoltaik & Speicher: Durch den Abbau der Freileitung können Dacharbeiten einfacher und sicherer durchgeführt werden – es besteht keine Gefahr mehr durch überhängende Leitungen – und gleichzeitig entstehen zusätzliche Freiflächen für Photovoltaikanlagen.
Mit jedem Jahr speisen mehr Haushalte und Betriebe Solarstrom ein. Dafür braucht es leistungsstarke Netze, die große Mengen dezentral erzeugter Energie aufnehmen können. Erdverkabelte Leitungen bieten:
- höhere Übertragungsreserven
- stabilere Spannungen
- optimale Integration vieler PV‑Anlagen
Elektromobilität: Mit dem Wachstum der Elektromobilität steigt der Bedarf an Ladeleistung. Ob Wallbox in der Garage oder öffentliche Schnellladeinfrastruktur – das Netz muss hohe Lastspitzen sicher abfedern können. Erdverkabelte Netze sind für diese Anforderungen ausgelegt und ermöglichen:
- verlässliches Laden ohne Spannungsprobleme
- paralleles Laden mehrerer Fahrzeuge in Wohngebieten
- zukunftssichere Erweiterung der Ladeinfrastruktur
Wärmepumpen: Wärmepumpen ersetzen zunehmend Öl- und Gasheizungen. Sie benötigen jedoch mehr elektrische Energie, insbesondere im Winter. Durch die Erdverkabelung steht ausreichend Netzkapazität zur Verfügung, um auch bei hoher zeitgleicher Nutzung stabil zu bleiben.
Schöneres Stadt- und Landschaftsbild: Der Freileitungsabbau bringt auch optische Vorteile mit sich: Straßen, Siedlungen und Landschaften wirken aufgeräumter, da Leitungen und Masten verschwinden.
So läuft das Projekt ab – Schritt für Schritt
Der Weg vom Freileitungshausanschluss zum modernen Erdkabelanschluss folgt einer klaren Struktur. Die sieben Schritte im Überblick:
1. Schriftliche Information der betroffenen Haushalte
Alle Eigentümer werden frühzeitig angeschrieben. Sie erfahren, welche Maßnahmen geplant sind, wann die Arbeiten ca. durchgeführt werden und das Einverständnis zur Umstellung auf ein Erdkabel wird abgefragt.
Grundstücksbesitzer können selbst entscheiden, ob sie am Projekt teilnehmen. Wird ein Grundstück nicht angeschlossen, bleibt die Versorgung über die Freileitung bestehen. In diesem Fall wird ein Holzmast errichtet, um die Versorgung sicherzustellen.
2. Rückmeldungen und detaillierte Planung
Nach den Rückmeldungen der Eigentümer starten Begehungen vor Ort. Die Stadtwerke stimmen sich mit städtischen Stellen ab, holen Genehmigungen ein und planen die genaue technische Umsetzung.
3. Festlegung des neuen Hausanschlusskastens
Bei einem gemeinsamen Termin wird die beste Position für den neuen Hausanschlusskasten festgelegt – ideal erreichbar, sicher und nach aktuellen technischen Anforderungen.
4. Kabelverlegung und Herstellung des Hausanschlusses
Wenn es die örtlichen Bedingungen erlauben, arbeiten die Fachkräfte mit einer Erdrakete. Diese grabungsarme Methode benötigt meist nur zwei punktuelle Öffnungen und schont Gelände, Gärten und Oberflächen.
5. Wiederherstellung der Oberfläche
Nach Abschluss der Arbeiten wird alles fachgerecht in den ursprünglichen Zustand versetzt – egal ob Pflaster, Asphalt oder Grünfläche.
6. Umhängen der Steigleitung durch Elektrofachbetrieb
Nach der baulichen Fertigstellung müssen die Eigentümer die bestehende Steigleitung auf den neuen Hausanschlusskasten umhängen lassen. Für diesen Arbeitsschritt haben Sie drei Monate Zeit und er darf ausschließlich von einem eingetragenen Elektrofachbetrieb ausgeführt werden.
Anschließend sendet der Elektrofachbetrieb den Stadtwerken eine Fertigmeldung, die bestätigt, dass die Anlage ordnungsgemäß angeschlossen wurde.
7. Abbau der Freileitung
Erst wenn alle beteiligten Haushalte erfolgreich auf den neuen Hausanschluss umgestellt sind, können die Stadtwerke die bestehende Freileitung zurückbauen.
Zukunftsprojekt von großer Bedeutung
Die Stadtwerke sehen im Erdverkabelungsprogramm eine technisch notwendige und wirtschaftlich sinnvolle Investition. Es erhöht die Versorgungssicherheit, verbessert das Stadtbild und schafft die Grundlage für klimaneutrale Zukunftstechnologien. Der Umbau ist ein entscheidender Schritt hin zu einem robusten, nachhaltigen und leistungsfähigen Energiesystem für Ingolstadt.
