Ölheizung raus? Beim Heizungstausch fast die Hälfte aller Kosten sparen. Eine Anleitung von Jens Radü aus SPIEGEL Plus.

Das musste ich diesem orangefarbenen Biest lassen: Es hatte ein Gefühl für Timing wie Roger Federer an der Grundlinie. Es war der erste Winter im neuen, na ja, zumindest neu gekauften Haus. Ein Bungalow, klare Linien, Jahrgang 1970, außen weiß, innen hell, Sie merken schon, ich war schockverliebt. Dass da im Heizungsraum noch ein ölschlürfendes Ungetüm aus den Neunzigerjahren wummerte, übersah ich in meiner liebesbedingten Blindheit. Und dann kam der Dezember: Wir hatten uns gerade neues Öl liefern lassen, da gab sie auf. Es war ein langsames, ich meine sogar, etwas schadenfrohes Ende.
 

Zuerst erwischte es die elektronische Anzeige. Ich stand mit nackten Füßen (es war morgens, es war kalt) vor dem schwarzen Display und tat, was ein Mann in einer solchen Situation tun muss: weinen. Zumindest innerlich. Äußerlich rief ich den Heizungsinstallateur an, den uns der Vorbesitzer empfohlen hatte. Der kam, sah und schniefte, vor Kälte. Diagnose: die gesamte Elektronik kaputt. Geschätzte Reparaturkosten: 2000 Euro. Tja. Er stellte die Heizung auf den vielversprechenden "Schornsteinfegerbetrieb" um und empfahl uns nach reiflichem Beratungsgespräch von gefühlt 18 Sekunden: Reparatur lohnt sich nicht wirklich. Eine neue Heizung muss her.
 

Na, erkennen Sie sich gerade wieder? Haben Sie auch so ein kaputtes Ding im Keller? Oder wollen Sie Ihre Heizung umrüsten, weil Sie a) gerade wegen Corona viel zu Hause sind und Zeit haben, b) Öl für nicht mehr so zeitgemäß halten oder c) viel Geld sparen wollen? Wie auch immer, ich will Ihren Enthusiasmus gar nicht hinterfragen, geschweige denn, bremsen, Sie werden ihn noch brauchen. Denn eine neue Heizung ist keine Entscheidung – es ist ein Projekt. Zumindest, wenn man die staatlichen Fördermittel, die aus vielen Quellen sprudeln, anzapfen und trotzdem noch einer beruflichen Beschäftigung nachgehen will (zumindest in Teilzeit).

Aber passen Sie auf: Am Ende des Artikels haben ich und Sie eine neue Heizung! Also ich sowieso, schließlich musste ich das alles durchleben, um darüber schreiben zu können. Und Sie auch, denn wir machen das jetzt zusammen, Schritt für Schritt, von A wie Antrag bis Z wie ZufriedenImWarmenAufDemSofaSitzen, mit Links, Kontakten und auch sonst allem, was Sie wissen müssen.

Schritt 1: Die Diagnose

Die Diagnose war bei mir schnell gestellt: 2000 Euro in eine mehr als 20 Jahre alte Heizung stecken? Eher nicht. Gerade bei Heizkosten von etwa 400 Euro im Monat. Sicher, damals, als man auf Entbindungsstationen noch rauchen durfte und Autos keine Anschnallgurte hatten, war eine Ölheizung eine wahnsinnig gute Idee. Öl war so schön billig. Und alles war besser, als einen Ofen mit Kohlen zu beheizen. Inzwischen sind wir auch beim Öl etwas weiter. Selbst wenn es im Moment so billig ist wie zu der Zeit, als die SPD noch den Kanzler stellte.

Aber wie ist es bei Ihnen?  Läuft Ihre Heizung noch? Oder geht es nur um ein Ersatzteil, das ausgewechselt werden muss? Sie werden mit Sicherheit Geld sparen mit einer neuen Heizung, Monat für Monat – aber investieren müssen Sie eben auch. Sprechen Sie also am besten mit einem Energieberater, der im Blick hat, was die Technik gerade hergibt, was in Ihrem Haus sinnvoll ist und welche Förderungen Sie bekommen können. Wie Sie einen guten Energieberater finden? Ihre Verbraucherzentrale hat eine Liste, wer Ihnen in Ihrer Region weiterhelfen kann. Hier finden Sie eine Übersicht .

Der Energieberater wird Sie wahrscheinlich besuchen, vielleicht ein Wärmebild Ihres Hauses aufnehmen, Ihre Heizung begutachten und Sie eingehend beraten. Meistens etwas unvoreingenommener als der Heizungsinstallateur, der vielleicht schon ein Produkt im Sinn hat, das er Ihnen gern verkaufen würde. Der Zeitpunkt, so viel ist sicher, ist ideal: Langsam ist die Heizsaison selbst im kühlen Norden vorbei, der Frühling ist da. Nun müssen Sie sich nur noch entscheiden.

Schritt 2: Welche Heizung soll´s sein?

Die gute Nachricht: Es erwartet Sie bei Heizungen nicht gerade die quietschbunte Vielfalt eines gut gefüllten Bonbonregals im Supermarkt, die ja mitunter überfordernd wirken kann. Die schlechte Nachricht: Die Entscheidung macht deutlich weniger Spaß als beim Bonbonregal. Aber hey, Heizungen machen immerhin keine Karies. Also, die drei gängigen Alternativen:

1. Gas-Brennwertheizungen mit Solarthermie: Die Heizung läuft mit Erdgas, das per Leitung in Ihr Haus gelangt. Hilfreich wäre, wenn es schon einen Gasanschluss in Ihrem Haus gibt. Oder zumindest in Ihrer Straße? Vielleicht kennen Sie ja Nachbarn, die mit Gas heizen, das wäre dann ein verdächtiges Indiz. Aber natürlich können Sie einen Anschluss auch legen lassen. Nur Vorsicht: Reine Gasheizungen werden inzwischen nicht mehr staatlich gefördert. Sondern nur, wenn sie etwa mit einer Solaranlage auf dem Dach kombiniert werden, also eine sogenannte Hybridheizung. Die Sonnenkollektoren speisen zusätzlich Wärme ins Heizungssystem.

Was das kostet? Hängt von vielen Faktoren ab, etwa ob Sie schon einen Gasanschluss haben oder ob der erst gelegt werden muss (wie bei mir, obendrein musste ich das Gelände vorher noch auf mögliche Weltkriegsbombenblindgänger untersuchen lassen – doch auch das wird immerhin alles staatlich gefördert). Der Kostenkorridor: etwa 15.000 bis 20.000 Euro.

2. Pelletheizung: Was beim Sägewerk übrig bleibt, verfeuern Sie in Ihrem Keller – gehäckseltes Holz, rund gepresst, 5 mm dick und bis zu 25 Millimeter lang, erinnert äußerlich an das Nagerfutter, das es in Streichelzoos zu kaufen gibt, innerlich eher an Ikea-Pressspanregalböden. Gibt es auch in den Geschmacksrichtungen Torf, Olivenkern, Stroh oder Kokosnuss, was auf die Heizleistung jedoch keinen nennenswerten Einfluss hat. Wichtig: Die Pellets müssen irgendwo gelagert werden – und das sind viele. Wenn Sie ohnehin einen Öltank im Keller haben, der bald rausfliegt, haben Sie ja Platz. Einen unterirdischen Tank im Garten können Sie umrüsten lassen, das ist aber deutlich aufwendiger.

Was das kostet? Es ist, wie immer, kompliziert, aber der Kostenkorridor verläuft zwischen 18.000 und 25.000 Euro.

3. Wärmepumpe: klingt anheimelnd, nicht wahr? So nach Strickjacken-Behaglichkeit und schnurrender Katze auf dem Schoß. Ist auch ziemlich beliebt, in Neubauten ist die Wärmepumpe bereits heute das am häufigsten eingeplante Heizungssystem.

Sie funktioniert wie ein umgekehrter Kühlschrank: Wärme wird der Außenluft oder der Erde entzogen (ja, das funktioniert selbst im Winter), und mit dieser Energie erhitzt die eigentliche Heizung dann das Wasser für die Heizkörper in Ihrem Haus. Charmant, absolut. Allerdings nicht für alle Häuser geeignet: Luft-Wärmepumpen brauchen eine Kompressoreinheit mit Verdampfer, so haben die Heizungsingenieure das Gerät liebevoll getauft. Diese Einheit verdampft draußen vor sich hin und entzieht der Luft Wärme. Das macht Geräusche. So vernehmlich, dass Sie nicht direkt daneben Ihr Schlafzimmerfenster haben wollen. Und die Nachbarn auch nicht, glauben Sie mir.

Bei der Erdwärmepumpe dagegen muss gebohrt werden. Und zwar nicht ein paar Meter, sondern gern mal 100. Wohnen Sie in einem schwer zugänglichen Reihenmittelhaus mit kleinem Grundstück, wird es schwierig, in Wasserschutzgebieten sind solche Bohrungen für gewöhnlich verboten. Und: Für den Betrieb einer Wärmepumpe benötigen Sie immer auch Strom. Das kostet natürlich extra, von einigen 100 bis mehr als 1000 Euro im Jahr.

Was da zusammenkommt? Je nach Tiefenbohrung und Aufwand liegt der Kostenkorridor zwischen 20.000 und 25.000 Euro.

Welche Heizung ist jetzt die richtige für Sie? Lassen Sie mich anders fragen: Sind Sie so der Prepper-Typ? Also macht es Ihnen Spaß, zu horten, gar zu hamstern, sich zu bevorraten, Preise im Blick zu haben und zuzuschlagen, wenn der Markt es hergibt? Oder sind Sie eher der Typ gut-geölte-Maschine? Einmal einrichten, und es läuft und läuft und läuft, während Sie auf der Couch sitzen und sich die Fußnägel lackieren? Vielleicht merken Sie meiner höchst suggestiven Art der Fragestellung schon an, zu welchem Typus Mensch ich gehöre. Mir war die Vorstellung, jeden Tag mit dem Gedanken aufzustehen: "Muss ich bald wieder Pellets/Öl/Biomasse ordern?" in etwa so angenehm wie eine unangekündigte Klassenarbeit, also habe ich mich für die Gasvariante entschieden. Den VW Golf unter den Heizungen im Moment, zumindest wenn es um Nachrüstungen geht.

So, haben Sie sich auch entschieden? Dann ist nun Zeit für den Antrag – denn wer will das alles schon ganz allein bezahlen?

Schritt 3: Der Antrag

Als ich mich von meiner alten Ölheizung getrennt habe, habe ich viel mit der KfW, der Kreditanstalt für Wiederaufbau, korrespondiert. Gefühlt hatte ich damals über Wochen mehr Kontakt mit der KfW als mit meiner Mutter. Eine neue Gasleitung legen lassen, wird das unterstützt? Und wenn ja, zu welchem Satz? Und fördert die KfW auch die Kosten für den Energieberater, ähnlich wie man den Steuerberater ja auch von der Steuer absetzen kann? Die Antworten: ja, 20 Prozent und ja, aber für Sie unerheblich. Denn seit dem 1. Januar 2020 würde ich Ihnen das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz Bafa, nun ja, wärmstens ans Herz legen, wenn es um alte Ölheizungen geht.

Die KfW fördert zwar immer noch jede Menge: Fenstertausch, Fassadendämmung und auch Heizungsumrüstungen, allerdings nur mit bis zu 20 Prozent der Kosten. Das Bafa hingegen zahlt Ihnen bei Ölheizungen bis zu 45 Prozent der Kosten (bei alten Gasheizungen immerhin noch bis zu 35 Prozent). Keine komplizierte Entscheidung, oder? Für den Antrag brauchen Sie gegebenenfalls einen Nachweis des Energieberaters und ein oder idealerweise mehrere Angebote von Heizungsfirmen. Hier geht es direkt zum elektronischen Formular der Bafa. Name, Wohnort, Baujahr des Hauses – das schaffen Sie schon. Wenn Sie allerdings schon bei der Steuererklärung Schnappatmung bekommen, können Sie auch Ihren Energieberater bevollmächtigen, den elektronischen Formularkram für Sie zu erledigen. Vorteil: Er macht das nicht zum ersten Mal und kennt die Fußangeln. Nachteil: Es kostet mehr – allerdings werden ja auch die Kosten des Energieberaters bis zu 80 Prozent von der Bafa übernommen.

Entscheidend ist übrigens die Reihenfolge: Zuerst muss Ihr Antrag bei der Bafa eingegangen sein, erst dann dürfen Sie die Heizungsfirma beauftragen. Oder die Firma, die die Gasleitung legt, oder oder oder. Sonst fließt nachher kein Geld. Wie lange die Bearbeitung Ihres Antrags dauert? Schwer zu sagen. Allzu viel Erfahrungen mit dem neuen Prozess gibt es ja noch nicht, die Bafa fördert erst seit Januar. Und dann kam Corona dazwischen. Es heißt, im Moment seien die Verbraucher noch zurückhaltend mit den Förderanträgen – was natürlich auch an Corona liegt. Energieberater kalkulieren aber mit zwei bis drei Wochen, bis schließlich der Zuwendungsbescheid kommt und damit auch Ihr Geld! Zumindest, wenn Sie nicht Schritt 4 versäumen.

Schritt 4: Die geldwerten Formalitäten

Sie haben eine neue Heizung, Solarkollektoren auf dem Dach, und die Bafa hat Ihnen den Zuwendungsbescheid geschickt? Gratulation! Bevor Sie in Champagner baden, müssen Sie allerdings noch ein paar Nachweise erbringen, für die Bafa, sonst fließen weder Geld noch Schaumwein. Zum Beispiel muss die Heizungsfirma nachweisen, dass sie einen sogenannten hydraulischen Abgleich vorgenommen hat. Was das bedeutet? Im Grunde, dass alle Heizkörper in Ihrem Haus, egal ob direkt neben der Heizung oder am entferntesten Punkt auf dem Dachboden, mit der Menge Heizwasser versorgt werden, die sie benötigen, um angemessen zu arbeiten. In der Regel werden dafür Heizkörper in der Nähe der Heizung etwas gedrosselt, damit auch für die häuslichen Heiz-Randgebiete noch genug Grad Celsius übrig bleiben. In meinem Fall war das schlauchige Wohnzimmer ein Temperaturproblemfall – denn die alte Ölheizung pumpte Wasser mit 90 Grad durch die Rohre, die neue Gasheizung liefert aber nur noch etwa 70 Grad. All das muss eingestellt und berücksichtigt werden, deswegen also der hydraulische Abgleich.

Was die Bafa noch von Ihnen braucht? Tja, natürlich die Rechnungen, ein, zwei Formulare und einen Abschlussbericht. Klingt ein wenig so wie bei der Projektwoche damals in der achten Klasse, ich weiß. Mit dem Unterschied, dass Frau Müller-Hohage Ihnen damals am Ende des Referats nicht 7000 Euro überreicht hat. Sie können übrigens auch den sogenannten Verwendungsnachweis, den die Bafa braucht, damit sie das Geld auf Ihr Konto überweisen kann, von Ihrem Energieberater erstellen lassen.
 

Wie lange es dauert, bis das Geld schließlich da ist? Noch einmal etwa zwei bis drei Wochen. Und dann ist es Zeit für den Champagner.

Wenn Sie jetzt zwischen zwei Schlucken Zeit haben, hier die Bilanz: Sie haben Ihre alte Ölheizung, die a) viel zu dreckig, b) viel zu gierig und überhaupt c) viel zu unsympathisch geworden ist, ersetzt durch eine Gasbrennwertheizung mit Solarkollektoren auf dem Dach. Sie heizen deutlich umweltfreundlicher, billiger, produzieren eigene Energie und müssen sich nachts nicht mehr mit dem Gedanken herumschlagen, wann Sie die nächste Öllieferung bestellen sollen.

Sie haben Geld ausgegeben, ja, ich weiß, das schmerzt, aber immerhin haben Sie 45 Prozent aller Kosten – die Heizanlage selbst, die Leistungen des Energieberaters, das Legen der Gasleitung – von der Bafa ersetzt bekommen. Gratulation! Wie schade, dass Sie nun erst einmal bis zum Winter warten müssen, bis Sie strickjackenbehaglich auf der Couch im warmen Wohnzimmer sitzen und die Katze streicheln. Bis dahin können Sie sich ja mal Gedanken über neue Fenster oder Fassadendämmung machen. Aber darum kümmern wir uns beim nächsten Mal.

 


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